Die alten Kämpfer sind müde, die Jungen erst recht

„Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit“ lautete das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes für den 1. Mai dieses Jahres.

 

Ohne Demonstrationszug fand der 1. Mai in Gladbeck gleich in der Mathias-Jakobs-Stadthalle statt. Eine bunte Mischung aus Polittalk, Videos und Redebeiträgen und Musik sollte auch jüngere Menschen ansprechen – doch die erholten sich größtenteils von Tanz und Trinken in den Mai. Aber auch die Hauptkundgebung des DGB in Bottrop, dort wird dieses Jahr die letzte Zeche schließen, zog mit dem IGBCE – Vorsitzenden Michael Vassiliadis und dem NRW – Ministerpräsidenten Laschet als Rednern gerade auch aktive Kolleginnen und Kollegen aus Gladbeck ab.

 

Immerhin fanden gut 250 Interessierte den Weg in die Stadthalle, benötigten für die Wegfindung keinen Marsch durch Gladbeck. Im Saal wurden die vor allem älteren Bergleute in Rente, Gewerkschaftlern und politisch Interessierten vom Max Hanke, Moderator von Radio-Emscher-Lippe und der Veranstaltung, begrüßt. Ihm folgte das Gru0wort des Gladbecker Bürgermeisters, Ulrich Roland.

 

 

 

Im leeren Foyer der Stadthalle ein einsames Transparent; im Saal im dunklen Hintergrund, Stände von IG Bau, ver.di und (wohl in Vertretung der IG BCE - ACHTUNG: Dies stellt eine [evtl. polemische] Annahme dar) die GUV/Fakulta (Gewerkschaftliche Unterstützungseinrichtung der DGB-Gewerkschaften), Im Bühnenbereich ein paar einsame Fähnchen und weit oben das Motto-Transparenz.


 

Fleißig, wie schon in den letzten Jahren, Angehörige der MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands), die unbeeindruckt vom diesjährigem Auslaufen des deutschen Bergbaus, Unterschriften gegen das Ende des Bergbaus in der BRD sammelten. Und während SPD und DKP mit ihren jeweiligen Spitzenleuten vertreten waren, beehrten Linke und Grüne wahrscheinlich die zentrale DGB-Kundgebung mit dem CDU Ministerpräsidenten in Bottrop, wo wohl auch wahrscheinlich die IG BCE Bezirksspitzen ihrem Vorsitzenden und Hauptredner Michael Zissis Vassiliadis lauschten.

 

Und in Gladbeck? Höhepunkt der Veranstaltung war das Referat von Rainer Weichelt, Sozialdezernent der Stadt Gladbeck, über Geschichte und Bedeutung des 1. Mais im Allgemeinen und die Situation in Gladbeck im Besonderen. Dem gelernten Historiker gelang es mühelos die Bedeutung der Arbeiterbewegung von damals bis heute dazustellen. Er wies in dem Zusammenhang auf den immer noch bestehenden Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit trotz allgemein gesellschaftlichen gestiegenen Wohlstands hin.

 

Mit Blick auf Gegenwart und Zukunft plädierte Weichelt für Qualifizierung und Weiterbildung, einen „sozialen Arbeitsmarkt“, denn „Arbeit macht Menschen zu gesellschaftlichen Wesen“. Es folgte sein Appell auf „faire Arbeit für alle“ wofür er die Zustimmung der Anwesenden fand.

 

Leider konnte die anschließende Podiumsdiskussion mit Hans Nimphius (ehemaliger DGB Kreisvorsitzender, Mitglied des Vorstandes des Seniorenbeirates der Stadt Gladbeck), Sven Bönnemann (stellvertretender Regionalleiter der IG Bau Westfalen) und der Vertreterin der ver.di Jugend Dana Wilimzik das von Weichelt vorgegebene Niveau nicht halten. Scheinbar als Generationengespräch angelegt, gingen sie der Leitfrage nach, ob der 1. Mai noch seine Berechtigung habe? Dies wurde von allen Drei bestätigt, er sei zeitgemäß sei und sollte entsprechend gefeiert werden.

 

Musikalisch zu Ende ging die Veranstaltung mit Marian Kuprat mit der Youngstown Band, die zwischendurch auch das Steigerlied anstimmte (allerdings ohne die traditionelle Schnapsrunde – was nicht für das „neue Format“ spricht   :-)).

 

 

Die fehlende Kundgebung wurde von vielen Teilnehmern kritisiert; sie wollen sich für eine Wiederkehr zu dieser bewährten Form einzusetzen. Es gehe auch darum, mittels Transparenten gewerkschaftliche Forderungen öffentlich zu zeigen. Kritisch reflektieren wird man sicher auch das Konzept der Veranstaltung müssen, ohne es indes ganz zu verwerfen, zeigten sich doch auch positive Ansätze der Weiterentwicklung.

 

 

Und vielleicht lesen unsere Kinder in der Schule auch mal Friedrich Engels „Lage der arbeitenden Klasse in England“ (Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 2, S. 225 – 506, Dietz Verlag, Berlin/DDR 1972), um zu erkennen, wie ihre Lage als Erwachsene ohne die erfolgreichen und mit vielen durch die Staatsmacht ermordeten gewerkschaftlichen Kämpfe heute aussähe. Dies auch mit Blick auf die Zukunft, die ohne gewerkschaftliche Gegenmacht zum Kapital ein Weg in die Vergangenheit zu werden droht

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Gladbeck, im Mai 2018; Manfred Gornik

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