In eigener Sache!

 

Die IG BCE Ortsgruppe Gladbeck Brauck - Rosenhügel sucht Dich: als Schreiber, Fotograph, Chronist oder Geschichtenerzähler. Wir freuen uns über jeden Menschen, der mit uns zusammen an diesem Projekt arbeitet!


Situation auf dem Ausbildungsmarkt

 

Überstunden und ungeklärte Übernahme

Foto: David Brandt
Foto: David Brandt

37.100 Ausbildungsstellen haben die Arbeitgeber ausgeschrieben, aber nicht besetzt. Gleichzeitig finden 20.900 junge Menschen keine Lehrstelle. Nicht das einzige Ärgernis auf dem Ausbildungsmarkt: Auch bei der Qualität der Ausbildung liegt einiges im Argen, moniert der Deutsche Gewerkschaftsbund im jüngst vorgestellten Ausbildungsreport 2015. Demnach muss mehr als ein Drittel des Berufsnachwuchses regelmäßig Überstunden leisten, ganze 60 Prozent der Lehrlinge wissen nicht, ob sie ihr Betrieb übernimmt.

Die „Wirtschaft zeigt großes Engagement“ ließ die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Bezug auf ihren Einsatz beim Thema Ausbildung im Oktober letzten Jahres stolz verkünden. „Die deutschen Unternehmen (…) eröffnen jungen Menschen Zukunftschancen als Fachkräfte, indem sie auch unter schwierigen Rahmenbedingungen ausbilden“, heißt es.

 

Höchststand an unbesetzten Ausbildungsplätzen

 

Jedoch: Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgestellte Berufsbildungsbericht 2015 lässt deutliche Schwachstellen an diesem Versprechen erkennen: Die Zahl der gemeldeten unbesetzten betrieblichen Ausbildungsstellen erreichte im Ausbildungsjahr 2013/2014 mit 37.100 im langjährigen Vergleich einen neuen Höchststand. Diese Zahl stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar noch um zehn Prozent an. Gleichzeitig aber finden 20.900 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz – beispielsweise, weil der Bewerbungsprozess zu komplex oder zu anspruchsvoll gestaltet ist oder Unternehmen nicht bereit sind, Schwächen einzelner junger Menschen zu akzeptieren.

 

„Woher sollen die Fachkräfte von morgen kommen, wenn Unternehmen heute zunehmend weniger ausbilden, weil sie immer noch glauben nur die Besten der Besten seien ausbildungsfähig“, kritisiert Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE die Praxis vieler Unternehmen. „Es ist an der Zeit, den eigenen Anspruch anzupassen und das Engagement zur Unterstützung junger Menschen wieder zu erhöhen.“

 

13 Prozent der Jugendlichen arbeiten mehr als 40 Stunden

 


Jugendforum 2015

Gegen das Vergessen

Foto: Jesco Denzel
Foto: Jesco Denzel

Es ist lange her und doch ganz nah: Auf dem Jugendforum 2015 haben sich rund 80 junge IG BCE-Funktionäre zwei Tage lang mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Was genau ist damals passiert? Wie konnte es dazu kommen? Und was können wir tun, damit sich so etwas niemals wiederholt? Das Thema der Veranstaltung stand bereits seit längerer Zeit fest und war durch die Flüchtlingsproblematik hochaktuell.


Die Jugendbildungsstätte Kagel-Möllenhorst am letzten Wochenende im August. Drumherum Wald, ein See, die Sonne scheint, es ist ruhig und friedlich. Krieg, Gewalt und Tod scheinen ganz weit weg. Doch im Haus, in den Seminarräumen, ist das alles plötzlich ganz nah. Da geht es um Nazis und Konzentrationslager, um Millionen Tote, um Gewerkschafter, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. Ein schwieriges, hartes und auch emotionales Thema, dem sich die Teilnehmenden mit großer Ernsthaftigkeit und Offenheit stellen. „Ich bin gekommen, weil ich mehr über dieses Stück Geschichte wissen und mich tiefer informieren möchte“, sagt Jacqueline Henn. Die 19-Jährige ist aus dem Dreiländereck angereist; lange dachte sie, dass es „bei uns keine Nazis mehr gibt“. Dann kamen die Flüchtlinge, die Hetze im Internet, die Ausschreitungen. Und der Wunsch, fundierte Argumente für Gespräche zu haben, fremdenfeindlichen Parolen ein klares Statement entgegensetzen zu können.

 

„Wir wären auch weg gewesen“

 

Das Motto des Jugendforums 2015: Gegen das Vergessen. Dazu gibt es Workshops, Vorträge, Diskussionen. Der Historiker Professor Dr. Rudolf Tschirbs spricht über den Zusammenhang zwischen der Machtergreifung durch die Nazis und der Zerschlagung der Arbeiterbewegung, Reni Richter, die Leiterin der Jugendbildungsstätte, zeichnet die Entwicklung der Konzentrationslager nach, von den Anfängen bis zu den planmäßigen Massentötungen in den Vernichtungslagern. Anschließend beschäftigen sich die Teilnehmenden in verschiedenen Arbeitsgruppen mit dem Schicksal von Gewerkschaftern, die Opfer des NS-Regimes wurden. Wilhelm Leuschner zum Beispiel, von den Nationalsozialisten verfolgt, verhaftet und misshandelt, hingerichtet 1944 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee. Oder Fritz Husemann, ehemaliger Vorsitzender des Verbands der Bergbauindustriearbeiter Deutschlands, ermordet 1935 im KZ Esterwegen.


Die Auseinandersetzung mit den Biographien der Gewerkschafter macht viele der Teilnehmenden nachdenklich, betroffen. Spätestens jetzt sind die Schrecken der Vergangenheit ganz nah. Und das soll auch so sein: „Wir wollen sensibilisieren und einen emotionalen Bezug zu dem Thema schaffen“, sagt Michael Porschen, Leiter der Abteilung Junge Generation / Ausbildung. „Wenn du merkst: Wir wären auch weg gewesen, wenn wir zu der Zeit gelebt hätten, dann löst das eine ganz andere persönliche Betroffenheit aus. Und die ist wichtig, wenn wir aktiv gegen das Vergessen und einen neuen braunen Mob kämpfen wollen.“ Er selbst, sagt Michael Porschen, hatte einen der emotionalsten Momente seines Lebens in Sachsenhausen, an einem Gedenkstein für die gefallenen Bergarbeiter im Widerstand.



Solidarität im Arbeitskampf

 

ver.di steht in einer harten Tarifauseinandersetzung, die Gewerkschaft streitet für eine deutliche Aufwertung der Arbeit der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst.

In den Streik getreten sind Kolleginnen und Kollegen an Kitas und Ganztagsschulen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter im Allgemeinen Sozialdienst, Jugendgerichtshelfer, Leben- und Konfliktberater, Heilpädagogen und Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderungen in der Behindertenhilfe, Erzieher und weitere Beschäftigte in den Krankenhäusern, Psychiatrien und Reha-Einrichtungen.

In fünf Verhandlungsrunden hat es keine substantiellen Fortschritte gegeben. Die kommunalen Arbeitgeber legten bisher kein offizielles Angebot vor. Deshalb haben die Beschäftigten die Arbeit niedergelegt. Der unbefristete Streik kann über Pfingsten andauern und Zug um Zug ausgeweitet werden. Durch den Arbeitskampf kann es auch zu Beeinträchtigungen für die in den Industriebetrieben beschäftigten Mütter und Väter kommen.

Die IG BCE unterstützt die Anliegen der Streikenden und steht ver.di solidarisch zu Seite. Die kommunalen Arbeitgeber sind aufgefordert, endlich ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch zu legen.

 

Mehr Infos:


Tarifverhandlungen Steinkohle / Hausbrand

 

Energiebeihilfe für Bergleute langfristig gesichert

 

Der Anspruch auf den sogenannten Hausbrand  für aktive und ehemalige Bergleute im Steinkohlenbergbau ist tarifvertraglich neu geregelt: Lieferungen in Form von Kohle sind bis Ende 2018 abgesichert, ab 1. Januar 2019 werden sie in monetäre Energiebeihilfe umgewandelt. Anspruchsberechtigte Rentner und Witwen erhalten eine Abfindung. Darauf haben sich IG BCE und der Gesamtverband Steinkohle am Mittwoch geeinigt.  Notwendig wurde die Regelung vor dem Hintergrund der politisch beschlossenen Beendigung des Steinkohlenbergbaus Ende 2018.

Foto : Hand mit Steinkohle
Foto: Stefan Koch

Peter Hausmann, Verhandlungs-führer der IG BCE: „Wir haben die ersatzlose Streichung der Kohle-deputate erfolgreich verhindert. Der Anspruch auf diese Leistung ist damit weiterhin anerkannt und garantiert. Darüber hinaus hat die Vernunft über Versicherungs-mathematik gesiegt, indem wir mit der langfristigen Sicherung der Energiebeihilfe und einem ausgewogenen Abfindungsmodell eine vorteilhafte Lösung für unsere Mitglieder gefunden haben. Außerdem haben wir eine Mindestabsicherung für mehr als 20.000 Rentner erzielt. Das ist ein großer Erfolg.“


Die Förderung deutscher Steinkohle läuft Ende 2018 aus. Lieferungen von Deputatkohle können daher nach 2018 nicht mehr stattfinden. Die Leistung erfolgt ab 1. Januar 2019 deshalb ausschließlich in Form einer monetärer Energiebeihilfe.


Rentner und Witwen erhalten im Juni 2015 eine nach den heutigen individuellen Ansprüchen und dem Lebensalter berechnete Abfindung.


Mehr als 2.300 Beschäftigte erfolgreich vermittelt

 

Darüber hinaus wurde in den Verhandlungen der Tarifvertrag zur Gestaltung sozialverträglicher Personalmaßnahmen anlässlich der Beendigung des deutschen Steinkohlenbergbaus aufgehoben. Dabei ging es unter anderem um die Verlegung von Mitarbeitern in das RAG-eigene Mitarbeiterentwicklungscenter, das jetzt aufgelöst wurde. Mehr als 2.300 Arbeitnehmer wurden mit diesem Tarifvertrag erfolgreich auf Arbeitsplätze außerhalb des Steinkohlenbergbaus vermittelt. „Wir sind uns mit dem Gesamtbetriebsrat und dem Unternehmen einig, dass es in den kommenden drei Jahren gute Chancen gibt, auch für die verbleibenden rund 750 Beschäftigten bis zum Ende des Steinkohlenbergbaus 2018 eine Lösung zu finden“, so Peter Hausmann.

Liebe Kollegin, lieber Kollege,


weitere aktuelle Informationen zu Hausbrand- und Energiebeihilfe findest du im Bereich "Intern" unter dem Reiter "Info-Material".

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Glückauf

Euer Ortsgruppenvorstand



Industrie 4.0


Die Fabrik weiß wie's geht

„Industrie 4.0“, das klingt wie eine Aktualisierung, mit der wir die alte Version unserer Industrie verbessern und damit fit für die Zukunft machen können. Schnell und einfach wie eine Software per Mausklick. Doch auch wenn der Begriff, den bis vor kurzem eher Fachleute kannten, in der letzten Zeit eine steile Karriere macht, ist oft gar nicht klar, was da eigentlich erneuert wird. Und wieso nicht ganz so schnell und einfach, wie es klingt.

Foto: InIT Lemgo    CC BY-SA 3.0
Foto: InIT Lemgo CC BY-SA 3.0

Warum überhaupt 4.0?

 

Industrie 4.0“ ist erst einmal eine Art Markenname, den die Bundesregierung für eine digitalisierte Industrie made in Germany zu etablieren versucht. Um Deutschland im globalen Wettbewerb einen der vorderen Plätze zu sichern, stellt sie zum Beispiel für ihr „Zukunftsprojekt  Industrie 4.0“ bis zu 200 Millionen Euro bereit und hat das Thema im Koalitionsvertrag und in der neuen Hightech-Strategie festgeschrieben. Auch EU, China, Japan und die USA fördern die digitale Zukunft der Industrie massiv, allerdings unter anderen Namen.

 

Grundannahme ist, dass die Industrie an der Schwelle zur vierten Revolution steht. Zuerst die mechanische Produktion mit Dampfkraft, dann das elektrische Fließband und damit Massenproduktion, schließlich der Einsatz von Computern. Und jetzt? Immer noch der Einsatz von Computern und immer noch mit Strom, ja. Aber in einer anderen Dimension als zuvor. Ob das dann eine Revolution oder eine Evolution ist, wird sich wie bei den anderen Einschnitten der Industriegeschichte hinterher zeigen. Fest steht jedenfalls, dass Regierungen, Hochschulen, Projekte, Firmen und Verbände versuchen den Prozess voranzutreiben und zu gestalten.

 

Was sagt die Maschine?

 

Indem alles digital miteinander kommuniziert, soll die Fabrik intelligent werden, deshalb heißt es manchmal auch „Smart Manufacturing“, “Smart Factory“ oder ähnlich. Voraussetzung ist, dass alles vernetzt ist. Ansätze davon gibt es bereits zu Hause, wenn zum Beispiel der Drucker über einen Chip meldet, dass eine Patrone leer ist und direkt selbst Nachschub bestellt. Daher auch der Ausdruck „Internet der Dinge“ oder „Internet of Everything“. Dass man keinen Computer sieht, heißt längst nicht mehr, dass da auch keiner ist. Schon 2008 gab es mehr Dinge, die mit dem Internet verbunden waren, als Menschen auf der Erde. „Auch in der Industrie geht es um die Vernetzung von Menschen und Produkten und Produkten untereinander mit Computern“ erklärt Olaf J. Lutz, verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Computer und Arbeit, „die Maschinen kommunizieren und werden autonomer. In der Logistik ist der Prozess schon recht weit fortgeschritten.“

 

In solch einem Cyber-physischen System wird die Maschine selbst den günstigsten Weg und Moment zur Herstellung und Transport eines Produkts ausrechnen und den Rohstoffnachschub anpassen. Während bei Stückgut Funketiketten dafür sorgen werden, dass Bauteile besonders effizient verarbeitet werden, sind für die Chemie als Prozessindustrie etwa hitzebeständige und hochsensible Sensoren zur Überwachung der Anlagen in den nächsten Jahren besonders wichtig. Ziel ist dabei ressourcenschonend, flexibel und schnell zu produzieren, so dass sich selbst kleinste Mengen lohnen.

 

Viel sagt sie – Big Data

 

Die Daten, die über die Sensoren permanent anfallen, sollen wiederum automatisch und in Echtzeit ausgewertet werden. Dadurch lernen nicht nur die Menschen, sondern auch die Maschinen. Und zwar nicht nur aus ihren eigenen Erfahrungen, sondern auch aus denen anderer Maschinen, mit denen sie vernetzt sind. Wenn sich etwa Zwischenfälle ab einer gewissen Temperatur bei einem bestimmten Produkt häufen, passt die baugleiche Maschine schon im ersten Durchlauf ihre Temperatur an. Oder der Anlagenbauer baut die Maschine direkt anders, wenn er in Zukunft auch Zugriff auf diese Daten hat.

 

Alles transparent, auch der Mitarbeiter?

 

„Die Technik soll Werkzeug des Menschen bleiben und nicht umgekehrt“, sagt Olaf J. Lutz, „man muss den Prozess für die Arbeitnehmer frühzeitig mit gestalten.“ Wo permanent Daten gesammelt und online ausgewertet werden, wird nicht nur der Produktionsprozess transparent und damit kontrollierbar, sondern auch der Mitarbeiter. Es muss klar sein, welche Rolle der Mensch in der vernetzten Fabrik bekommt. Auch wenn die intelligente Fabrik erst in Ansätzen und unter verschiedenen Namen daher kommt: "Wir tragen die Verantwortung dafür, dass die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten bei der digitalen Revolution respektiert werden", sagt Iris Wolf von der IG BCE. "Denn auch in einer 'smart factory' funktioniert ohne Menschen nichts."

Schulungen und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema sind bei der Arbeitnehmervertretung wie auch bei allen Akteuren nötig. Vor allem gut ausgebildete Generalisten werden in Zukunft gebraucht, die die Zusammenhänge verstehen und Englisch sprechen. Denn die Fabrik soll mit anderen Fabriken, Kunden, Rohstofflieferanten, Anlagenbauern und anderen Partnern weltweit vernetzt sein. So ist vielleicht gerade in China der richtige Ansprechpartner für ein Problem in der Produktion, der über eine Datenbrille per Video hinzugezogen wird.

 

Intelligente Bauklötze: Modularisierung in der Chemie

 

Aber wie einen Prozess gestalten, der überall anders heißt und noch gar nicht ganz im Gange ist? Da bei „Industrie 4.0“ oft nur an Autoindustrie und Maschinen- und Anlagenbau gedacht wird, die Chemie als Prozessindustrie aber grundlegend anders funktioniert, haben VDI Technologiezentrum, IG BCE und Hans-Böckler-Stiftung Stand der Dinge und Entwicklungen in einer Kurzexpertise zusammengetragen. „Es hat uns etwas überrascht, dass es in der chemischen Industrie unter anderen Begriffen schon viele Initiativen gibt“, sagt Norbert Malanowski vom VDI Technologiezentrum, einer der Autoren.

 

Automatisierung freilich ist hier seit Jahrzehnten ein Thema, aber es gibt auch bereits erste modularisierte Anlagen: Diese sind wie ein Baukasten aufgebaut, so dass Module schnell ausgetauscht werden können. Das ist vor allem für den Pharmabereich und die Spezialchemie interessant, da zur Markteinführung eines Produkts wenige Module genügen, die dafür voll ausgelastet sind. Wenn die Nachfrage steigt, schaltet man ein paar Produktionseinheiten dazu. Als intelligente „Bauklötze“ konfigurieren sie sich selbst und wissen sofort, was zu tun ist. Wieder ein wenig wie beim Drucker zu Hause, den man nur noch an den Computer anschließt und sofort benutzen kann. „Plug and Play“ heißt das dann oder eben „Plug and Produce“ in der Produktion.

 

Was die intelligente Fabrik nicht von allein löst

 

Solche Anlagen wären längerfristig sogar direkt in Abnehmernähe am Wohnort denkbar, da dank der Vernetzung nicht mehr alles zentral gesteuert wird. Das wäre jedoch natürlich nur möglich, wenn die Sicherheit gewährleistet ist. Datensicherheit ist für alle Branchen ein Thema, jedoch war gerade die Chemie bisher sehr zurückhaltend beim Thema umfassende Vernetzung. „Noch endet die Digitalisierung oft am Zaun des Chemieparks“, sagt Norbert Malanowski. Denn was über das Internet kommuniziert, ist logischerweise auch prinzipiell über das Internet angreifbar. Das ist bei einer Chlorgasanlage auch eine rechtliche Frage. So wenig es bislang einheitliche Standards für die diversen Informationssysteme gibt, so wenig existieren rechtliche Vorgaben dazu, wem die ganzen Daten gehören und wer wofür haftet. Aber die Fabrik kann schließlich nicht alle Probleme selbst lösen.

Foto: Lizenz nach CC BY-SA 3.0


Chemie-Tarifrunde / Abschluss


2,8 Prozent Entgelterhöhung und 412 Euro mehr für den Demografiefonds

IG BCE und Chemie-Arbeitgeber haben in der vierten Verhandlungsrunde am Freitag (27. März) ein Ergebnis unter Dach und Fach gebracht. Die Entgelte der 550.000 Beschäftigten steigen um 2,8 Prozent, die Ausbildungsvergütungen um 40 Euro. Außerdem wird der betriebliche Demografiefonds von 338 auf 750 Euro pro Beschäftigten und Jahr aufgestockt.

Foto: Traifabschluss 2015 Pressekonferens
Foto: Sebastian Berger

Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis unter-strich: „Wir haben in der chemischen Industrie wieder einmal gezeigt, dass eine starke Gewerkschaft tragfähige Ergebnisse für die Beschäftigten erzielt. Wir haben in einer schwierigen Gesamtsituation nicht nur für deutliche Einkommenszuwächse gesorgt, sondern auch den Demografie-Tarifvertrag fortgeschrieben und gestärkt. Das ist wichtig für die Menschen und die Branche, das ist eine echte Investition in die Zukunft.“

 

Der Tarifabschluss im Einzelnen:

 

 

Entgelte
Nach einem Leermonat steigen die Entgelte um 2,8 Prozent, die Gesamtlaufzeit beträgt 17 Monate. Für Betriebe in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelten Sonderregelungen.
Die Entgelterhöhung tritt regional unterschiedlich in Kraft: In den Tarifbezirken Nordrhein, Rheinland-Pfalz und Hessen am 1. April; in Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen/Bremen, Schleswig-Holstein/Hamburg und Berlin am 1. Mai; im Saarland und in Nordost am 1. Juni.

 

 

Demografie

Herzstück des Tarifvertragswerks „Demografie und Lebensarbeitszeit“ ist der betriebliche Demografiefonds. Die Arbeitgeber zahlen pro Jahr und Beschäftigten 338 Euro in diesen Topf ein. Ein Abkommen über zusätzliche Beträge läuft Ende des Jahres aus.

 

 

Neu vereinbart ist, dass der Demografiebeitrag von 338 Euro in Stufen kräftig und langfristig angehoben wird. Die Arbeitgeber zahlen 2016 550 Euro und 2017 750 Euro in den Fonds ein. Die Aufstockung um insgesamt 412 Euro entspricht einer Entgelterhöhung von rund 0,9 Prozent.

 

 

Betriebsräte und Geschäftsführungen entscheiden gemeinsam über die Verwendung der Fondsmittel. Im Vertragswerk sind sechs Möglichkeiten festgelegt: Langzeitkonto, Altersteilzeit, Teilrente, Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, tarifliche Altersvorsorge und lebensphasenorientierte Arbeitszeit („RV 80“). Mit der Aufstockung entstehen neue Gestaltungsspielräume, die die IG BCE vor allem auch für eine bessere Ausstattung der gleitenden Übergänge in den Ruhestand nutzen will.


Musik und Mode gegen Rechts

Das IG-BCE-Jugendforum Nordost siegt im Wettbewerb "Die Gelbe Hand"

Ungewohnte Töne im ehrwürdigen hannoverschen Leibnizsaal: Treibende Rap-Rhythmen und eine coole Live-Performance lassen das Publikum begeistert applaudieren und pfeifen. Mit diesem Rap-Song präsentieren sich die Sieger im diesjährigen Wettbewerb "Die Gelbe Hand": Das IG-BCE-Landesbezirksjugendforum Nordost hat mit seinem Projekt "Wir kreativ gegen Nazis" den ersten Preis im bundesweiten Wettbewerb des Vereins "Mach meinen Kumpel nicht an!" geholt.

Foto: Preisverleiung - Die Gelbe Hand 2015
Foto: Nico Herzog Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (links) mit dem Vorsitzenden des "Kumpelvereins" Giovanni Pollice und den Preisträgern vom IG-BCE-Landesbezirksjugendforum Nordost.

Bei der Preisverleihung am 25. März betont Niedersachsens Minister-präsident Stephan Weil in seiner Laudation: "Ihr zeigt, dass ehrenamtliches Engagement viele Steine ins Rollen bringen kann. Euer Ideenreichtum ist beeindruckend!" Denn die 27 Mitglieder des Jugendforums haben neben dem selbstgeschriebenen Rap-Song auch T-Shirts, Postkarten und Sticker entworfen, Filme gedreht, eine Facebook-Seite erstellt und mit Flashmob-Aktionen in Berlin, Cottbus, Halle und Leipzig für Aufsehen gesorgt. "Gerade in Nordostdeutschland ist das Miteinander verschiedener Kulturen noch nicht so selbstverständlich", hat Nele Rüter beobachtet, die das Projekt in ihrer Ausbildung zur Gewerkschaftssekretärin initiiert hat. Die Teilnehmer haben auch rechte Symbole und Propaganda in der Jugendkultur untersucht, Argumente gegen Pegida gesammelt und bringen die Ergebnisse nun zurück in ihre Betriebe.


Foto: Kohlehand
Foto: Stefan Koch