Bildungsurlaub
 
Die meisten Arbeitnehmer haben in Deutschland Anspruch auf einen so genannten Bildungsurlaub. Sie können bis zu fünf Tage pro Kalenderjahr bezahlt an einer Weiterbildung teilnehmen. Dabei kann es sowohl um eine berufliche Fortbildung als auch um allgemeine und politische oder gewerkschaftliche Bildung gehen.

Eine bundeseinheitliche Regelung zum Bildungsurlaub gibt es nicht. In zwölf Bundesländern existieren hierzu Landesgesetze. In Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen fehlen dagegen solche Regelungen. Hier gibt es keine gesetzliche Grundlage für einen Bildungsurlaub.

Betriebsräte haben allerdings nach § 37 Abs. 7 des Betriebsverfassungsgesetzes während ihrer regelmäßigen Amtszeit generell Anspruch auf eine bezahlte Freistellung für insgesamt drei Wochen zur Teilnahme an Schulungs- und Bildungsveranstaltungen.

Ein Rechtsanspruch auf Bildungsurlaub besteht nach den jeweiligen Landesgesetzen meist nach einer sechsmonatigen Beschäftigungszeit. Der Bildungsurlaub kann in einigen Ländern „aufgespart“ werden. So kann für zwei Jahre ggf. ein zehntägiger Bildungsurlaub genommen werden, im Saarland ist sogar in einem Vier-Jahres-Zeitraum ein zwanzigtägiger Bildungsurlaub möglich.

In den jeweiligen Landesgesetzen sind Ankündigungsfristen für den Arbeitnehmer geregelt. In Nordrhein-Westfalen gilt beispielsweise eine sechswöchige Frist. Arbeitgeber können den Bildungsurlaub aus „zwingenden“ oder „dringenden“ betrieblichen Gründen ablehnen. Abgelehnt werden kann ein Antrag danach beispielsweise, wenn der Bildungsurlaub in der Zeit genommen werden soll, in der in einem Betrieb wegen saisonal gebundener Aufträge absehbar besonders viel Arbeit anfällt.

Das Bundesarbeitsgericht entschied am 15. März 2005 im Rechtsstreit zwischen einem bundesweit tätigen Textilunternehmen und einem Angestellten, dass ein Sprachkurs Schwedisch, den der Arbeitnehmer absolvierte, als Bildungsurlaub anerkannt werden musste (Az.: 9 AZR 104/04).


Fünf bezahlte freie Tage für die eigene Weiterbildung? Bildungsurlaub macht das möglich. Doch – trotz des gesetzlichen Anspruchs in zahlreichen Bundesländern –  wird diese Möglichkeit von den Beschäftigten nur selten wahrgenommen. Unter dem Motto "Bildungsurlaub. Hinterher ist man immer klüger." informieren die Gewerkschaften des DGB über den gesetzlichen Anspruch vieler Beschäftigter und beantworten die wichtigsten Fragen.

77 Prozent der Beschäftigten sind an Fortbildungen interessiert, aber nur ein bis zwei Prozent der Arbeitnehmer nehmen Bildungsurlaub. Ist es Unwissenheit über die Freistellungsansprüche und deren Umsetzung, die viele davon abhält?

Download
DGB Broschüre zum Bildungsurlaub
Broschuere_Bildungsurlaub.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.5 MB

10 gute Gründe für Bildungsurlaub

 

1. Bildungsurlaub schafft Durchblick


Bildungsurlaub ist voller Hintergrundwissen, stellt Zusammenhänge her und baut Kompetenzen auf. Egal für welches Thema.


2. Bildungsurlaub hat für alle was


Ganz im Sinne der „Bildungsrepublik Deutschland“ bietet Bildungsurlaub Teilnehmenden Zeit, sich mit den verschiedensten Themen auseinanderzusetzen. Neben politischer und beruflicher Weiterbildung werden auch allgemeinbildende und kulturelle Seminare angeboten.


3. Bildungsurlaub fördert politische Beteiligung


Bildungsurlaub fördert die politische Beteiligung. Teilnehmende lernen verschiedene Formen der Partizipation kennen, damit sie alle politischen Instrumentarien nutzen und so ihre Interessen wirkungsvoll vertreten können.

 

4. Bildungsurlaub beflügelt im Beruf


Bildungsurlaub kann auch der beruflichen Weiterbildung dienen. Interessierte können ihre Themen frei wählen. Je nachdem, wohin sie sich im Beruf entwickeln möchten.

 

5. Bildungsurlaub gegen den Stress


Bildungsurlaub schafft Distanz zum Arbeits- und Lebensalltag. Zudem lernen Teilnehmende, wie sie Leistungsdruck und Stress bewältigen können. Das fördert die Gesundheit und steigert die Lebenszufriedenheit.


6. Bildungsurlaub macht selbstbewusst


Bildungsurlaub bietet die Möglichkeit, mit Distanz den eigenen Standpunkt in der Welt zu reflektieren. Dabei lernen Teilnehmende mehr über sich selbst und können ihre Anliegen und Interessen klarer ausdrücken.


7. Bildungsurlaub fördert Konfliktlösungen


Bildungsurlaub bedeutet Begegnung mit anderen Menschen. Dabei muss es nicht immer harmonisch zugehen. Teilnehmende lernen im geschützten Rahmen, den eigenen Standpunkt zur vertreten – und dabei gleichzeitig einen respektvollen Umgang zu bewahren. So lernen sie, Kritik richtig zu äußern und Konflikte solidarisch auszutragen.


8. Bildungsurlaub nutzt auch dem Betrieb


Bildungsurlaub fördert Stressbewältigung, Eigenständigkeit und Konfliktlösung. Das sorgt für ausgeglichene, gebildete und mündige Arbeitnehmer, von denen dann natürlich auch der Betrieb profitiert.


9. Bildungsurlaub bildet zur Demokratie

 

Demokratie muss und kann gelernt werden. Der Austausch mit anderen Teilnehmenden fördert die Toleranz wie den kritischen Blick gleichermaßen – ohne Bekenntnis- oder Entscheidungsdruck. Von Bildungsurlaub profitiert somit die ganze Gesellschaft.


10. Bildungsurlaub macht Spaß


In Bildungsurlauben wird viel gelacht. Das selbstbestimmte Lernen in einer solidarischen Gemeinschaft macht Freude und weckt die Lebensgeister. Außerdem bleibt im Bildungsurlaub immer auch Zeit zur Erholung, die Dank der Familienfreundlichkeit des Bildungsurlaubs auch mit den Liebesten verbracht werden kann.


Die eigene Weiterbildung fördern lassen

Die Bildungsprämie

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich für eine Fortbildung in ihrem Beruf entscheiden, investieren in ihre Zukunft. Damit berufliche Weiterbildung nicht an den Kosten scheitert, unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung bildungswillige Beschäftigte finanziell. Stichworte sind dabei Bildungsprämie und Weiterbildungssparen.

 

Die Bildungsprämie

 

Berufstätige, die an einer Weiterbildungsmaßnahme teilnehmen, erhalten einen staatlichen Zuschuss, die Bildungsprämie. Derzeit wird die Hälfte der Kosten einer Maßnahme mit maximal 500 Euro gefördert. Anspruchsberechtigt sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ein versteuerndes Einkommen von höchstens 25.600 Euro im Jahr (bzw. 51.200 Euro bei gemeinsam Veranlagten) haben. Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, Schüler und Studierende sowie Rentner und Pensionäre sind von der Förderung leider ausgeschlossen.

 

Die zu fördernde Fortbildung muss für den ausgeübten Beruf relevant sein. Zur Beantragung wendet man sich an eine der über 600 Beratungsstellen. Übersicht und Adressen unter www.bildungspraemie.info oder die kostenlose Telefonhotline 0800- 2623 000 des Bundesministerium für Bildung und Forschung. Hier wird überprüft, ob eine Maßnahme förderungswürdig ist. Wer noch keine konkrete Fortbildung im Blick hat, kann sich dort auch über das Weiterbildungsangebot informieren. Auch Bildungsurlaubseminare sind, so sie der unmittelbaren beruflichen Fortbildung dienen, förderungswürdig.

Das Weiterbildungssparen


Wer vermögenswirksame Leistungen erhält oder Vermögen mit Hilfe der Arbeitnehmersparzulage gebildet hat, kann  aus diesem Vermögen Geld entnehmen, ohne dabei die Arbeitnehmersparzulage zu verlieren. Dabei gelten keine Einkommensgrenzen. Voraussetzung ist lediglich gefördertes Ansparguthaben nach dem Vermögensbildungsgesetz (VermBG).

 

Dabei sollte zunächst Kontakt mit dem entsprechenden Finanzinstitut aufgenommen werden, um zu prüfen, unter welchen Bedingungen eine Entnahme erfolgen kann. Im nächsten Schritt stellt einer der 600 Weiter-bildungsberatungsstellen nach einem Gespräch dem oder der Weiterbildungssuchenden einen Spargutschein aus. Nach der Entscheidung für eine berufliche und förderungswürdige Bildungsmaßnahme kann beim zuständigen Finanzinstitut, unter Vorlage des Spargutscheins, das Geld entnommen werden. Mit dieser Form der Förderung können aufwändigere und längerfristige Weiterbildungsmaßnahmen etwas besser finanziert werden.


Gut zu wissen: Einige Bundesländer haben auch eigenständige Fördermaßnahmen für Weiterbildung, wie beispielsweise die Bildungsschecks in Nordrhein-Westfalen oder Brandenburg. Informationen finden sich auf den jeweiligen Internet-Angeboten der Landesregierungen.

 


kann.