Der 1. Mai ist unser Kampf- und Feiertag

Die Geschichte des 1. Mai als Kampf- und Festtag der Arbeiterbewegung hat ihren formalen Ursprung in einem Beschluss der Delegierten des Internationalen Arbeiterkongresses anlässlich des hunderten Jahrestages des Sturms auf die Bastille im Juli 1889 in Paris.

 

 

Wie es dazu kam

 

Die geschichtlichen Wurzeln des 1. MAI als Kampftag der Arbeiterklasse beginnen mit der weltweiten Industrialisierung und den Anfängen des Kapitalismus. Schon in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts diskutierten die Arbeitenden, an einem Tag im Jahr geschlossen die Arbeit niederzulegen.

 

Am Anfang stand der Wille zur Einführung eines achtstündigen Arbeitstages. Er entstand in – nein, nicht in den USA; er entstand 1856 in Australien. Zunächst als einmalige Aktion geplant, übte die erste Maiaktion einen starken Eindruck auf das australische Proletariat. Daher der Entschluss, diese Kampfform jedes Jahr zu wiederholen.

 

1884 war es, als die „Föderierten Gewerkschaften und Arbeitervereine der USA und Kanada“ die Forderung nach Einführung des Achtstunden-Arbeitstages  ab dem 1. Mai 1886 forderten. Anfang 1886 riefen die Gewerkschaften daher zum Generalstreik auf. In den nordamerikanischen Industrieregionen kam es zu massenhaften Arbeitsniederlegungen, allein in Chicago streikten 40.000 Menschen.

 

In einer Chicagoer Fabrik zur Herstellung landwirtschaftlicher Maschinen drohten die Arbeiter mit Streik, da sie für 3 Dollar Lohn am Tag 12 Stunden arbeiten mussten. Schon auf die Streikandrohung reagierte die Geschäftsleitung mit Massenaussperrungen. Die freigewordenen 1000 Arbeitsplätze sollten mit Einwanderern besetzt werden, was indes wegen einer Kampagne der  anarchistisch-sozialistischen „Arbeiter-Zeitung“ misslang.

 

 

Das Massaker von Haymarket

 

Am Abend des 1. Mai hielt der Chefredakteur der „Arbeiter-Zeitung“, August Spies, auf dem Haymarket eine mitreißende Rede; in deren Folge es zu einem mehrtägigen Streik kam. Bei, von Polizeikräften initiierten Auseinandersetzungen starben am 3.Mai  zwei Demonstranten. Tags darauf, während einer Protestkundgebung, eskalierte die Gewalt. Die bis dahin friedliche Kundgebung wurde von Polizeikräften gestürmt; ein Unbekannter warf eine Bombe, welche einen Polizisten sofort tötete und mehrere umstehende Demonstranten und Polizisten schwer verletzte, Sechs der Polizisten starben an den Folgen des Bombenattentats, die Zahl der toten Demonstranten interessierte in dem Zusammenhang die Geschichtsschreiber wenig.

 

Bei dem anschließendem Gefecht wurden mehr als 200 Demonstranten verletzt, sieben Polizisten und ca 20 Arbeiter getötet. Wie in den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten in den USA üblich, kam es zu einem Schauprozess. Wie auch bei den mittlerweise rehabilitierten Sacco und Vanzetti wurden in diesem „Prozess“ sieben Anarchisten zum Tode verurteilt. Vier von Ihnen, darunter August Spies, wurden gehängt, Drei wurden sechs Jahre später begnadigt. Ein weiterer Angeklagter beging in seiner Zelle Selbsttötung.

 

Der „Internationale Arbeiter-Congress“ von 1889 in Paris erklärte auf Antrag der amerikanischen Delegation den 1. Mai in Erinnerung an die ermordeten Märtyrer von Chicago zum internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse.
 

Außerdem stellte der Kongress Forderungen für eine wirksame Arbeiterschutzgesetzgebung in allen von der kapitalistischen Produktionsweise beherrschten Ländern auf:


a)Festsetzung eines höchstens 8 Stunden betragenden Arbeitstages für jugendliche Arbeiter;
b) Verbot der Arbeit der Kinder unter 14 Jahren und Herabsetzung des Arbeitstages auf 6 Stunden für beide Geschlechter;
c) Verbot der Nachtarbeit, außer für bestimmte Industriezweige, deren Natur einen ununterbrochenen Betrieb erfordert;
d) Verbot der Frauenarbeit in allen Industriezweigen, deren Betriebsweise besonders schädlich auf den Organismus der Frauen einwirkt;
e) Verbot der Nachtarbeit für Frauen und jugendliche Arbeiter unter 18 Jahren;
f) ununterbrochene Ruhepause von wenigstens 36 Stunden die Woche für alle Arbeiter;
g) Verbot derjenigen Industriezweige und Betriebsweisen, deren Gesundheitsschädlichkeit für die Arbeiter vorauszusehen ist;
h) Verbot des Trucksystems (Warenentlohnung);
i) Verbot der Lohnzahlung in Lebensmitteln, sowie der Unternehmer-Kramladen;
k) Verbot der Zwischenunternehmer (Schwitzsystem)
l) Verbot der privaten Arbeits-Nachweise-Büros;
m) Überwachung aller Werkstätten und industriellen Etablissements mit Einschluss der Hausindustrie, durch vom Staat besoldete und mindestens zur Hälfte von den Arbeitern gewählte Fabrikinspektoren.


Die nationalen Arbeiterbewegungen sollten diese Mindeststandards von ihren jeweiligen Regierungen einfordern.

Schon 1889 begann im Ruhrgebiet der erste organisierte Massenstreik im Bergbau. Auch hier ging es um den Achtstundentag, aber auch höhere Löhne und besser Arbeitsbedingungen. Um den 1. Mai herum kulminierten die Streiks und Kundgebungen. Rund 90 Prozent der damals rund 104.000 Bergarbeiter im Ruhrgebiet beteiligten sich an diesem Arbeitskampf. Viel Erfolg brachte dies jedoch zunächst nicht.

Bis Dezember 1889 erklärten 18 Gewerkschaften im Deutschen Kaiserreich die Absicht, am 1. Mai zu streiken -  dies trotz der geringen Streikneigung im Vergleich zu anderen Ländern. Zudem galt während der Vorbereitungszeit noch das Sozialistengesetz (1878 – 1890), die sozialdemokratische Partei als Organisation verboten. Die Kapitalistenverbände drohten für den Fall von Streiks zum 1, Mai mit Aussperrung, Entlassungen und der Aufnahme auf die schwarzen Listen.

Unter dem Eindruck des Sozialistengesetzes wollte die deutsche Sozialdemokratie den Achtstundentag nicht durch Streik, sondern durch Verhandlungen erreichen, ein möglicher Generalstreik wurde von ihr vehement abgelehnt. Missverständlicher weise wurde die Resolution der SPD zum 1. Mai vor 125 Jahren als Streikaufruf aufgefasst,

Daher beteiligten sich am 1. Mai 1890 circa 100.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an sogenannten Maispaziergängen, Demonstrationen und Streiks. In Hamburg kam es zu einem erbittert geführten  Arbeitskampf, an dem sich bis zu 20.000 Menschen beteiligten. Zugunsten dieses sich bis zum Spätsommer hinziehenden Arbeitskampfes gaben die Gewerkschaften an anderen Orten stattfindende Aktionen auf.

 

„Tobt der Pöbel in den Gassen, ei mein Kind, so lass ihn schrei’n. Denn sein Lieben und sein Hassen ist verächtlich und gemein“. So reimte Hugo von Hofmannsthal als Reaktion der Bourgeoisie auf die  zum ersten Mai im Jahr 1890 in aller Welt durchgeführten Massenstreiks und Massendemonstrationen.

Zwar konnten die Streikenden das Koalitionsrecht sichern, alle anderen Forderungen ließen sich nicht durchsetzen. Die Erfahrung der gemeinsamen Aktionen bewog die Vertreter der Gewerkschaften zur Gründung des Dachverbandes  "Generalcommission der Gewerkschaften Deutschlands" unter Führung Carl Legiens.

Die nach Ende des Sozialistengesetzes wieder zugelassene SPD beschloss auf ihrem Hallenser Parteitagtag vom Oktober 1890 den 1. Mai als stetigen „Feiertag der Arbeiter“ einzuführen. Die sich abzeichnende Dichotomie der deutschen Sozialdemokratie zeigte sich in diesem Beschluss, sollte doch dort von der Arbeitsruhe abgesehen werden, wo sich Hindernisse in den Weg stellen. So machten Partei und ihr nahestehende Gewerkschaften den Streikaufruf von der wirtschaftlichen Lage des jeweiligen Betriebes abhängig. Wo ein Streik nicht möglich war, sollten Aktionen am ersten Maisonntag Umzüge  und Feste stattfinden.

1891 beschloss die 2. Internationale am 1. Mai zu streiken. Daraufhin verlegte die SPD den Aktionstag im Kaiserreich auf den ersten Sonntag im Mai. In den folgenden Jahren verhinderte die SPD immer wieder Arbeitsniederlegungen am ersten Mai. Mal sprach die „ökonomische Lage“, mal die „gegenwärtige Arbeitslage“ gegen Aktionen. Die dennoch stattfindenden Arbeitskämpfe blieben erfolglos, auch weil die finanzielle und organisatorische Unterstützung der Gewerkschaften fehlte.

 

Aus dem „ Der Wahren Jakob“ eine Satirezeitschrift im Jahre 1905:

„Kindermann, was wollen eigentlich, äh, diese Arbeiter?“
„Verzeihen Durchlaucht, sie wollen den Achtstundentag.“
„Ganz unglaublich Kindermann, wie dumm dieses Volk ist. Sagen Sie ihm doch, äh, dass Achtstundentag unmöglich! Einfach unmöglich! Tag wird immer, äh, vierundzwanzig Stunden haben!“

 

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges brach die Zweite Internationale auseinander, die SPD und ihre europäischen Schwesterparteien entschieden sich gegen internationale Solidarität und Frieden für ihre jeweiligen „Vaterländer“.  Statt auf Maikundgebungen marschierte das Proletariat zu den Fronten. Die deutsche Sozialdemokratie zerbrach an der Zustimmung zum Krieg. Die Mehrheitssozialdemokratie blieb treu bis zum Schluss an der Seite des Kaisers, die USPD kämpfte gegen den Krieg, aus dem Spartakusbund entwickelte sich die KPD.

Kampftag oder Feiertag

 

Die seit Anfang des 20. Jahrhunderts interkonfessionellen christlichen Gewerkschaften lehnten die in ihren Augen „marxistische Heerschau“  am 1. Mai ab. Die Spaltung der sozialistischen Arbeiterbewegung führte zu einer unterschiedlichen Sicht des ersten Mai’s. Während die Sozialdemokraten den Festtagscharakter betonten, blieb er für die Kommunisten vor allem ein Kampftag.

 

Diese tiefe Zerrissenheit der sozialistischen Arbeiterbewegung führte zum “Blutmai“ von 1929. Die KPD ignorierte ein von Karl Zörgiebel, sozialdemokratischer Polizeipräsident von Berlin, wegen befürchteter Unruhen verhängtes Demonstrationsverbot. Im Verlauf der Demonstration kam es zu Schießereien; 31 Menschen wurden getötet, darunter auch Unbeteiligte und nahezu 200 Verletzte.

Kurt Tucholsky kritisierte zwar die KPD-Parteiführung, die Schuld für das Blutbad sah er vor allem in der Verhetzung und Militarisierung der preußischen Polizei, wofür der amtierende Polizeipräsident und dessen Vorgänger Verantwortung tragen.

 

Zwar bedauerte die SPD die Opfer, der Parteivorstand erklärte in seinem Bericht an den Parteitag 1929: „Wir lehnen aber auch gleichzeitig vor der ganzen Welt die in frivoler Weise uns zugeschobene Schuld an den Blutopfern des 1. Mai ab. Unser Gewissen ist rein. Wie wissen, daß der von den Kommunisten gepredigte Putschismus, den wir grundsätzlich ablehnen, der beste Wegbereiter der faschistischen Diktatur ist. Wir wissen, daß die Rechtsradikalen auf den Augenblick warten, wo die demokratische Republik von links gepuscht wird. Versagt in solcher Stunde die Masse des werktätigen Volkes und die Führung, folgt sie den kommunistischen Putschisten, so ist das das Signal für da Losschlagen der Putschisten“

 

Mit ihrer Erklärung vertiefte der SPD-Parteivorstand die schwere Diskreditierung der SPD auch bei der eigenen Mitgliedschaft, verbesserte nichts an dem katastrophalen Bild der Partei bei den ausländischen Schwesterparteien, nichts an der öffentlichen Meinung. Erreicht die SPD bei den Reichstagswahlen von Mai 1928 noch 29,8 Prozent, fiel sie September 1930 auf 24,5, im Juli 1932 auf 21,6 und bei den Novemberwahlen von 1932 auf 20,4 Prozent, Zeitgleich stieg das KPD-Ergebnis von 10,6 auf 16,9 Prozent.

 

In keiner weiteren Stadt kam es zu unfriedlich verlaufenden Aktionen, in keiner weiteren Stadt wurde ein Demonstrationsverbot erlassen.

 

Am 30. Januar 1933 übergab Reichspräsident Paul von Hindenburg die Macht an die Nazis.

Statt Kampftag oder Feiertag: „Tag der Nationalen Arbeit“

 

Es werde so sein wie unter dem Sozialistengesetz, damals, unter Kaiser und Bismark. Hiervon gingen die Gewerkschaftsführungen aus, ebenso von einer kurzen Regierungsdauer der Nazis. Zwar wurde mit „Schutzhaft“  und Gefängnisstrafen gerechnet, wie seit dem „Ermächtigungsgesetz“ möglich und durchgeführt. So glaubten sie, als unpolitische berufsständische Organisationen diese kurze Zeit durchlavieren zu können.

 

Ein tragischer Irrtum. Mitte April 1933 notierte Goebbels: „Den 1. Mai werden wir zu einer grandiosen Demonstration deutschen Volkswillens gestalten. Am 2. Mai werden dann die Gewerkschaftshäuser besetzt. Gleichschaltung auch auf diesem Gebiet (...). Es wird vielleicht ein paar Tage Krach geben, aber dann gehören sie uns." Im April 1933 erklärte Hitler den 1. Mai zum "Feiertag der nationalen Arbeit".

Am 15. April 1933 hieß es im Maiaufruf des ADGB-Vorstands: „Wir begrüßen es, dass die Reichsregierung diesen unseren Tag zum gesetzlichen Feiertag der nationalen Arbeit, zum deutschen Volksfeiertag erklärt hat. An diesem Tage soll nach der amtlichen Ankündigung der deutsche Arbeiter im Mittelpunkt der Feier stehen. Der deutsche Arbeiter soll am l. Mai standesbewusst demonstrieren, soll ein vollberechtigtes Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft werden. Das deutsche Volk soll an diesem Tage seine unbedingte Solidarität mit der Arbeiterschaft bekunden.“ 

Und so marschierten an jenen 1. MAI Gewerkschaftsfunktionäre des ADGB, Arbeiterinnen und Arbeiter, Kapitalisten (heute in Unternehmer oder Kapitaleigner umbenannt – bleiben aber Kapitalisten) und Mitglieder und Parteifunktionäre unter der Hackenkreuzfahne über Kopfsteinpflaster und Asphalt. Statt Arbeitereinheitsfront gegen den Faschismus, wie notwendig, „völkische Einheitsfront“ von ADGB-Kapital-NSDAP.

Nach dem am 1. Mai 1933 in Berlin inszenierten Massenspektakel, trotz der unterwürfigen Anpassung des ADGB,  stürmten SS und SA-Horden die Gewerkschaftshäuser, schalteten die Gewerkschaftspresse aus und beschlagnahmten das Vermögen. Viele Gewerkschaftsführer wurden in Konzentrationslagern inhaftiert, nicht wenige starben den Foltertod oder wurden einfach so ermordet, wenigen gelang die Flucht ins Exil

Diesem „Tag der nationalen Arbeit“ folgten weitere befohlene Aufmärsche aller „Volksgenossen“ am 1. Mai, 1934 umbenannt in den „Nationalen Feiertag des deutschen Volkes“. Als „Freudenfest des Lebens“ sollten sie die Idee des „Klassenfriedens“ symbolisieren. Er diente den deutschen Faschisten als Kulisse für Paraden, Aufmärsche, pathetische Selbst-Inszenierungen und Leistungsschauen der deutschen Industrie; trieben die „Ästhetisierung der politischen Macht“ (Walter Benjamin) in ungekannte Höhen.

 

Nach der weites gehenden Zerschlagung der Arbeiterbewegung wurde so aus dem internationalen Kampftag des Proletariats der  „Nationale Feiertag des deutschen Volkes“ und steht  als „Tag der Arbeit“ noch heute in vielen Kalendern.

 

Am 1. Mai 1945 organisierten überlebende Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschafter die ersten freien Maifeiern in den von den Alliierten Streitkräften befreiten (in anderer Lesart besetzten) Gebieten. Noch allerdings kämpfte die Wehrmacht, fanden vielerorts Kampfhandlungen statt, daher verblieben diese Maifeiern in kleinem Rahmen.

Der 1. Mai nach 1945

 

April 1946 bestätigte der alliierte Kontrollrat den 1. Mai als Feiertag. Doch so ganz trauten die Befreier den Befreiten nicht, zumal der größte Teil der Befreiten sich nicht  als Befreite, sondern als Verlierer und in den Befreiern Besatzer  sahen, was für den größten Teil der deutschen Bevölkerung auch zutraf. Deshalb durften auf Anordnung der amerikanischen Militärverwaltung bei den Kundgebungen keine Fahnen und Transparente mitgeführt werden, im Gegensatz zur sowjetischen Zone, in welcher dem FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) erlaubt wurde, beides mitzuführen.

 

Gleich jedoch das Bild, welches Beobachter von den Demonstrationen sahen: Männer in den Altersgruppen zwischen zwanzig und vierzig Jahren fehlten fast vollständig. Wer sich nicht in Kriegsgefangenschaft befand oder durch Deutschland irrte, war verwundet oder tot.

 

In Berlin zeigten die Kundgebungen bereits 1946 die 1948 erfolgte Trennung in zwei deutsche Staatsgebilde. In den Zonen der West-Alliierten widersetzte sich die SPD der Vereinigung mit der KPD zu einer sozialistischen Einheitspartei und organisierte in Konkurrenz zur SED eigene Demonstrationen.

 

 

Der 1. Mai in der DDR

(Bearbeitung in 2017)

 

 

Der 1. Mai in der BRD (Alt)

 

Seit der 1949 erfolgten Gründung des DGB (Deutschen Gewerkschaftsbundes)  ist der geschäftsführende Bundesvorstand für die Maiaufrufe und die zentralen Maiparolen zuständig. Ab 1951 umrahmten kulturelle Veranstaltungen die politischen Kundgebungen. Später wurden die Veranstaltungen von den ARD-Rundfunkanstalten übertragen, in die dritten Fernsehprogramme abgeschoben und heute nur noch in kleinen Ausschnitten gesendet.

 

Seit Mitte der fünfziger Jahre, den späteren „Wirtschaftswunderjahren“, stellte sich ein deutlicher Trend zu sinkenden Teilnehmerzahlen ein. „Wirtschaftswunder“ und die erfolgreiche Propaganda der Umbenennung des Kapitalismus in die sogenannte „soziale Marktwirtschaft“ zeigten Wirkung. Selbst gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen begriffen den 1. Mai immer weniger als Kampftag, sondern zunehmend als Freizeitsangebot. Erst die Nachkriegsrezession von 1966/67 führte kurzzeitig zu höheren Teilnehmerzahlen.

 

Dazu bei trug sicher auch die durch die 68-ziger herbeigeführte Politisierung und damit einhergehende gesellschaftliche Veränderung. Zunächst in Widerspruch zu den Gewerkschaften, so wurden gewerkschaftliche Maifeiern gestört, vieler Orts fanden die Kundgebungen fortan im Saale statt. Nach und nach gelang es noch zu Zeiten der alten BRD, die Kluft zwischen neuen sozialen Bewegungen und der Arbeiterbewegung zu schließen.

 

Trotz alledem: Der Trend zu rückläufigen Teilnehmerzahlen ließ sich nur kurzzeitig umkehren. Hieran änderten sich verschärfende Tarifauseinandersetzungen nichts. Auch die Kampagnen für die 35-Stunden-Woche und gegen den Streikparagraphen 116 führten zu keiner stärkeren Mobilisierung. Gleich ob als Feiertag oder Kampftag, das Ende des !. Mai schien nah. Die ÖTV-Vorsitzende Monika Wulff-Mathies sah als einzige Überlebenschance für den 1. Mai dessen Umwidmung in ein Volksfest für die ganze Familie.

Der erste Mai in der neuen (alten) BRD

 

Zum 100. Jahrestag des 1. Mai hielt der DGB-Vorsitzende Ernst Breit vor dem Berliner Reichstag die erste freie gewerkschaftliche Mairede vor gesamtdeutschem Publikum seit 1932. Die staatliche Einheit führte zu einem Boom der westdeutschen Wirtschaft. Die überhastete Einführung der DM und kapitalistischer Produktionsweise  ließen die Märkte der DDR-Industrie auf einen Schlag wegbrechen. Das es dazu kommen wird, wischte Bundeskanzler Helmut Kohl mit in wenigen Jahren entstehenden “blühenden Landschaften“ hinweg, wofür er mit seiner Wiederwahl belohnt wurde.

 

Das, was vielen ostdeutschen Arbeitskräfte indes drohte, war der Gang zum Arbeitsamt. Da zudem der westdeutsche Boom in eine Rezession mit anschließender Massenarbeitslosigkeit umschlug, wurde  auch Kurzzeitig – inzwischen wieder längst verdrängt – den Wirtschaftsliberalen deutlich, dass die ostdeutschen Bundesländer noch über Jahre hinweg auf Hilfe aus dem Westen angewiesen sind. Gleichzeitig verarmten westdeutsche Bundesländer und Kommunen, so auch viele Ruhrgebietsstädte, u. a. die Stadt Gladbeck.

 

 


Der 1. Mai heute

 

Der erste Mai als offizieller Feiertag, in NRW „Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde“ wird heute in der Regel vom DGB für müde Kundgebungen genutzt;  Familien gehen spazieren, außer die Familie trifft sich via „Facebook“, Twitter und ähnlichem elektronischem Gedöns mit sogenannten Freunden, betreibt shopping im Internet oder besäuft sich ganz traditionell offline. Wichtig sind zudem mögliche Brückentage, um so mit wenigen Urlaubstagen eine arbeitsfreie Woche zu erreichen.

 

Das Demonstrieren überlassen die jungen Jungen den jungen und alten Alten.

Viele vergessen darüber die Aussage des 1.Mai. Er war nie einzig ein Tag des ökonomischen Kampfes. Er war und ist ein Tag der internationalen Solidarität, ein Tag gegen den Kapitalismus, gegen TTIP, ein Tag gegen Militarismus, gegen Rassismus, für Verbot von Bespitzlung und Datenüberwachung, für ein menschenwürdiges Leben, dem Recht auf Asyl. Er ist Feiertag und zugleich internationaler Kampftag der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung.  

 

 

Wird fortgesetzt …